MEIN ERBSTÜCK

May 14, 2017

 

Zu den Dingen die wir vererbt bekommen haben wir eine ganz besondere Beziehung. Universal hat mich eingeladen, euch meine Geschichte dazu zu erzählen. 

 

Als ich 2011 geheiratet habe, habe ich mir überlegt dass ich gerne das alte Hochzeitskleid meiner Mama tragen würde. Anfangs fand ich es ein bisschen schwierig, das Gesprächsthema zu starten: „Du Mama, dein Brautkleid brauchst du doch nicht mehr oder? Es hängt jetzt schon Jahre im Kasten, mit einer dünnen Schutzfolie bedeckt und verstaubt. Darf ich es vielleicht haben und selbst darin heiraten?“

 

 

 

Meine Mama war allerdings begeistert und freute sich sehr, dass ich ihr Brautkleid von damals gerne zu meiner Hochzeit tragen würde. Es gab nur ein Problem: Das Kleid war zwar toll, aus elfenbeinfarbiger Spitze, aber mit langen Puff Ärmeln und in Größe 32-34. Das Kleid passte nicht und hinten am Rücken bekam ich es nicht einmal ansatzweise zu.

 

Trotzdem wollte ich mich davon nicht abhalten lassen und dachte zuerst darüber nach mit viel Sport kurzfristig abzunehmen, damit ich irgendwie in das Kleid passen würde. Meine Mama hatte aber mit 18 Jahren, als sie geheiratet hatte, nur 48 Kilo und ich war jetzt 7 kg schwerer. Entweder würde ich die nächsten 3 Monate so gut wie gar nichts essen können oder mich auf den Weg zu einer Schneiderin machen. Zwar wollte ich für meine Hochzeit ohnehin ein bisschen abspecken, aber so schnell 7 Kilo zu verlieren war keine gute Idee. Daher wollte ich mich dann doch lieber auf die Suche nach einer kreativen Schneiderin machen um eine Lösung zu finden.

 

Angekommen in der Schneiderei stellten wir fest, dass immer noch ein großes „Dreieck“ Stoff auf dem Rücken des Kleides fehlte um es überhaupt schließen zu können. Da kam mir die Idee die Ärmel abzunehmen und damit den fehlenden Stoff im Rücken mit der Spitze der Ärmel zu ersetzen. Den Zipp am Rücken wollte die Schneiderin entfernen und diesen stattdessen an der Seite einziehen. Wir überlegten dann, wie anstatt der Ärmel nun die Träger aussehen sollten. Mir gefiel eine Variante mit breiter Spaghetti Träger am besten.

 

Nach 2 Wochen war es dann es dann so weit -  endlich konnte ich mein umgenähtes  Kleid sehen und beim Schneider probieren. Ich war sehr gespannt darauf.

 

 

 

 

 

Es war ein Traum!

 

Die Schneiderin hatte mit dieser Veränderung meine Erwartungen übertroffen, mein Brautkleid gerettet und so dem Vintage Erbstück einen neuen Look verpasst ohne aber den Stil und das „Wesen“ des Kleides zu stark zu verändern.

 

Zu Hause probierte ich es gleich nochmals an und drehte mich wie ein kleines Mädchen begeistert vor dem Spiegel. Ich freute mich riesig, vor allem der Spitzenrücken war wunderschön geworden!  Ich war super happy und voller Vorfreude es bei meiner Hochzeit zu tragen!

Nachdem das Kleid doch über 30 Jahre alt war, hatte der Stoff leider ein paar vergilbte Stellen bekommen und man konnte daran deutlich sehen, wie alt das Kleid wirklich war. Also musste ich hier eine Möglichkeit finden, um die Stellen zu verdecken. Sollte ich ev. Blumen  oder etwas anderes darüber bügeln? Ich suchte gleich im Internet nach Lösungen dafür.

 

Der beste Idee war bleichen. Es war einen Versuch wert. Sollte es nicht funktionieren oder der Stoff durch die Bleiche beschädigt werden, könnte ich immer noch auf Bügelbilder zurück greifen. Ich verwendete ein Wattestäbchen und tauchte dieses in Chlor Bleiche. Ganz vorsichtig startete ich mit dem Behandlung des Stoffs und tupfte die vergilbten Stellen wieder und wieder vorsichtig ab. Ich war überrascht, aber es funktioniert wirklich perfekt. Die Flecken wurden immer heller und dem Stoff passierte nichts. Am Ende föhnte ich noch die behandelten Stellen trocken -  das Kleid wirkte wie neu.

 

Aus alt mach neu mit einem Erbstück!

Im Oktober 2011 haben mein Mann und ich schließlich in Las Vegas geheiratet. Wir hatten uns das schon lange gewünscht. Zu meiner besonderen Traumhochzeit in den USA hatte ich jetzt auch noch das wunderschöne Erbstück meiner Mama dabei. Es war wirklich schön, immer wieder sprachen mich Menschen auf das Kleid an und wollten wissen, wo ich es gekauft hatte und dass es so außergewöhnlich aussah.  

Meine Eltern sind jetzt seit fast 40 Jahre miteinander verheiratet und immer noch glücklich. Ich wusste das war ein gutes Vorzeichen und das Heiraten in demselben Kleid würde für meine Ehe ein gutes Omen bedeuten. So konnte mich auch ein Teil meiner Mama bei der Hochzeit in Las Vegas begleiten.

Ich liebe Perlen! Ein Sprichwort aber sagt,  dass das Tragen von Perlen bei einer Hochzeit Tränen bringen würde. Ich beschloss trotzdem Perlen zu tragen, da ich finde,  dass diese auch gut zu meiner Haut- und Haarfarbe passen und mit einer positiven Einstellung dazu würden sie mir als Symbol Glück bringen und sicher keine Tränen. Als ich über diese Idee mit meiner Mama sprach, holte sie aus ihrem Schmuckkästchen eine alte, mittellange, echte Perlenkette heraus.  Diese war ihr selbst von ihrer Oma vererbt worden und sie schenkte sie mir als Talisman für meine Hochzeit.

Diese Perlenkette ist ein weiteres Erbstück aus meiner Familie und mittlerweile fast 70 Jahre alt. Daher musste ich den Verschluss erneuern lassen. Sie hat mir bis jetzt immer nur Glück und Freude gebracht und ich trage sie oft und gerne mit Stolz.

Über die Jahre habe ich die Kette ein wenig „gepimpt“. Ich trage dazu immer einen größeren Anhänger und auch einen Knopf um ihr Aussehen ein bisschen abzuwechseln und auch moderner zu stylen.

 

In unsere schnelllebigen Konsumgüter Zeit ist es schön, wenn wir ein besonderes Kleidungsstück oder Schmuckstück tragen können welches aus der Familie kommt und immer weitergegeben wird.

 

Ich bin mittlerweile 6 Jahre verheiratet und letztes Jahr habe ich mein Brautkleid auf Knielänge kürzen lassen. Ich fand es schade, dass ich es vorher nicht tragen konnte und es nur im Schrank verstaubte. Jetzt ist es ein wunderschönes Sommerkleid welches ich zu besonderen Anlässen mit meiner Perlenkette ausführen kann. Wenn ich es trage weckt es immer wieder Erinnerungen an meine Hochzeit, sowie an meine Mama, die mir beides weitergegeben hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Kooperation mit Universal Flohmarktkalender Österreich.

 

 

 

 

 

 

 

 

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